• Tony Geronikolakis

.....den Wald vor lauter Bäumen

Aktualisiert: Jan 18



Heute vor genau einem Monat kam der Dezemberlockdown und hat seitdem alles verändert.

Unser Leben wird nur noch von Corona- "News" und "Fakten" beherrscht.

Für uns Friseure lichtet sich immer mehr der Nebel der Unkenntnis

und weicht der Gewissheit:

Ja, es gibt einen lieben Gott, aber helfen musst Du Dir selber.

Dachten wir noch vor ein paar Wochen:

"Hey, die können uns doch nicht mitten im Dezember den Laden schließen"

wissen wir heute: Die können!

Dachten wir noch kurz nach dem Lockdown:

Ok, das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen; (und um den lieben Gott nochmal zu bemühen)

oh Gott, die haben es tatsächlich getan......schnell überlegen.....was kann ich tun.....

am besten das Bewährte...wie letztes mal im März-Lockdown....meine Mitarbeiter und ich haben uns totgearbeitet die letzten Tage vor dem 16.Dezember.....habe ich die Miete schon drin? .....könnte sein.....restliche Unkosten...wie soll das gehen, mit nur ein paar Tagen??

Ein Lichtblick am Horizont .....wir sind nicht allein......nach Lektüre aller Digital - und Printmedien...Zeit genug hatte ich ja im Dezember:

Die Herren Scholz und Altmaier, ihres Zeichens Finanz- und Wirtschaftsminister, haben versprochen schnell und unkompliziert der Wirtschaft zu helfen. Das beruhigt mich! Schließlich sind wir Friseure ja auch "Wirtschaft".


Mit über 7 Milliarden Euro Umsatz und täglich fast einer Million Kunden ist das Friseurhandwerk so gefragt wie nie zuvor. Friseurhandwerk spotlight 18/19

Tja...und genau "Da liegt der Hase im Pfeffer"....warum ich diese Redewendung verwende?

Weil die Definition der Redewendung die aktuelle Situation im Friseurhandwerk auf den Punkt bringt:

"Ein wenig makaber veranschaulicht man so eine Situation, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Man kann das Sprichwort auch ganz allgemein mit "da ist das Problem" übersetzen."  https://www.geo.de/geolino

Heute am 16.01. wissen wir Friseure mehr.

Wir wissen, dass Herr Scholz und Herr Altmaier nicht der liebe Gott sind.....

aber wir wissen nicht, wie wir uns selber helfen sollen....

Zwischen Hygienemaßnahmen, Desinfektionsorgien und Kundenerfassungen zur Rückverfolgung, gefühlt Millionen Veröffentlichungen was wir Friseure doch für tolle Pandemie-Maßnahmen-Erfüller sind und unsere Salons

wahre Corona-Immun-Oasen sind, haben wir

tatsächlich vergessen.......
die könnten uns tatsächlich nochmal schließen...

Hätte ich nur.......


Natürlich haben wir in unserer Branche auch die strategisch Denkenden,

auch die Vorausschauenden...

auch haben wir in unserer Branche, die betriebswirtschaftlich Denkenden...

die ihre Preise schon lange so angepasst haben,

dass mehr wie 28.000€ pro Mitarbeiter Umsatz rausspringt.....

Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2017 erwirtschafteten in Deutschland rund 240 000 Beschäftigte in 52 700 Unternehmen einen Branchenumsatz von 6,7 Milliarden Euro. Mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 28 000 Euro bilden sie damit unter allen Handwerksberufen das Schlusslicht    Focus online

und eine bessere Unternehmens-Renditen als 4%-10%.

Die Umsatzrendite ist eine der aussagekräftigsten Kennziffern zum Unternehmenserfolg. Als Prozentzahl zeigt sie, wie viel Euro Gewinn im Durchschnitt von 100 Euro Gesamtleistung nach Abzug aller Kosten übrig bleiben.

Genau diese Menschen in unserer Branche schaffen es, ihre Kunden so zu begeistern

mit hoher Fachkompetenz, Personality, Ideen und Liebe zum Friseurberuf, sodass

der Preis nicht das zentrale Thema ist.....aber laut einer Umfrage

Der durchschnittlich angemessene Preis für einen Friseurbesuch beträgt 26 Euro!
Zu diesem Ergebnis kommt die „BAT Stiftung für Zukunftsfragen bei einer Befragung von 2000 Personen ab 14 Jahren (Quelle Statista 2018)

scheint es auch Kollegen zu geben, die eine andere Sichtweise

unseres Berufsstandes haben. Dazu passt folgendes Statement:

Die Umsatzrendite vieler Friseure lag schon vorher zwischen 0% und 2%. Durch die Corona-Krise sind die Umsätze noch einmal um 20% bis 25% gefallen, insbesondere da, wo ohne Termin gearbeitet wird. Das kombiniert mit dem Mindestlohn macht aus der Friseurbranche eine Krisenbranche."   Branchekenner anomym

Jedoch ist so eine Pandemie mit 2x Lockdown in einem Jahr eine blöde Sache.

Es werden alle wirtschaftlich gerupft...Ob es jetzt der bestens Aufgestellte mit finanziellen

Reserven oder der künstlerisch Wertvolle mit einer

chaotischer Cash-Flow-Umsatzrate und ebensolchem Bankenrating...

Die besser Aufgestellten leben von Reserven:

6 Wochen Lehrlinge von dem bezahlen, was Herr Scholz versprochen hat........

Auszahlung: schnell und unkompliziert.....

In Vorleistung gehen für Löhne....hey, es sind nur 60% bzw.68%....

Auszahlung: schnell und unkompliziert.....

Ladengeschäft und sonstige Gemeinkosten bezahlen.....Vermieter sind geduldig,

Städte und Gemeinden sind kulant...müssen ja...

wer will einem Nackten in die Tasche greifen??

Essen und trinken Friseure eigentlich??

Haben Friseure Autos die betankt werden müssen?

Für die Figur ist Enthaltsamkeit und Askese besser,

im "Lockdown", soll grundsätzlich auf nicht notwendige private Reisen, Ausflüge und Besuche verzichtet werden. Geht doch!!

Die Liste lässt sich unendlich weiterführen.

Was machen die Anderen?

Da diese weniger Zeit verbringen mit so banalen Sachen wie

essen & trinken & tanken (haben sowieso kein Geld) können sie sich mit den

Regularien des Bundesministeriums für Wirtschaft Energie und Finanzen befassen.

Schon der Eröffnungstext macht Mut und Zuversicht:

Je schneller die Infektionszahlen sinken, desto schneller geht es für unsere Wirtschaft wieder bergauf. Die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) vom 13. Dezember sind daher ein Kraftakt im Interesse unser aller Gesundheit wie auch der Wirtschaft. Wir bleiben fest an der Seite unserer Unternehmen und ihrer Beschäftigten. 

Und schon wieder muss ich die "oberste Instanz" preisen:

Gott sei Dank, ich dachte die hätten uns vergessen.

Sollte ich an dieser Stelle den Eindruck erwecken, ich zähle mich zur einen oder anderen

Gruppe der beschriebenen Friseurkollegen......

Also, frisch ans Werk und das Studium von Überbrückungshilfe I..II...III

von Novemberhilfe und Dezemberhilfe und wer antragsberechtigt und wer nicht und wieviel

und was erstattet wird.......

Nach 1 Stunde durchlesen und vor allem, versuchen zu verstehen, sehe ich eine Passage die mir doch etwas den Mut nimmt:

Wir informieren Sie hier, sobald die Antragstellung möglich ist.

Nach umfassender Telefonrecherche und Rücksprache mit unserem Steuerberater:

( Diesmal hat die Bundesregierung auch an die Steuerberater gedacht:

Lieber Friseur, wenn wir dich schon mit Geld zuschütten als Bundesregierung,

naja...nicht sofort...aber kommt noch.....dann sei so nett und teile mit deinem Steuerberater..

Wer viel hat, sollte auch teilen können..... )

Keine Ahnung...keine Ahnung.....die zweite "keine Ahnung" meiner Aufzählung, ist von der freundlichen jungen Dame am Telefon der Hotline des Bundesministeriums.

Soweit so gut....

Die Friseure lassen sich deswegen nicht unterkriegen....

Täglich erreichen uns über die Friseursprachrohre...Instagram und Facebook, mit Herzblut und Verzweiflung verfasste Brandbriefe an Fr. Merkel, an den Zentralverband, an Hr. Scholz, Aufforderungen zum Durchhalten, Aufforderungen zum illegalen Öffnen der Geschäfte....usw., mit der Wirkung, die solche Aktionen immer haben.....

Ungefähr soviel Grad unter Null, wie der BioNTech Impfstoff gelagert wird...

Wen dieser besagten Politikern oder Institutionen soll das auch interessieren?

Und warum? Wen sollen Friseure interessieren?

Und schon ist unser neues Bewusstsein vom letzten Lockdown dahin:


- Wir sind Systemrelevant!

- wir sind wichtig! - Endlich merkt mal die Bevölkerung was wir leisten! - Der Friseurberuf im Aufwind.....Traumberuf!


dahin....

Wichtig....das sind andere......

Wir Friseure möchten geliebt und beachtet werden. Wir sind auch wer!!

Sind wir .....

Führende Vertreter unser Verbände schreiben ebenfalls Brandbriefe an oben genannte Stellen, mit hübschen Briefköpfen von wichtigen Friseurverbänden.....

mit nicht solch banalen Inhalt wie Krethi und Plethi in Facebook und Instagram.....

da geht es um Frisuren von Fußballern und ähnlichen brisanten Themen die momentan die Branche interessieren.......

mit offenem Ausgang.....aber bekannter Wirkung.....

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wie die Petitionen zur 7% MwSt.,

die lächerliche Kleinunternehmerregelung...ein Meilenstein...

Dieser Betrag hat sich nun erhöht und soll ab 2020 gültig sein. Intern hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, dass der bisher gültige Satz von 17.500 Euro auf 22.000 Euro erhöht wird

die Ausnahmegenehmigungen im Friseurhandwerk für...

jeden der einen Kamm von einer Schere unterscheiden kann...

Quo vadis, Friseurhandwerk?

Bevor wir uns auf Tresenniveau mit der Kritik ( ich gebe zu ,es ist leicht über komplexe Zusammenhänge zu schimpfen) an Allem bewegen, möchte ich heute mein Blog schließen.

Ich wünsche mir für mich und meine Mitarbeiter,

- dass wir schnell wieder dass machen dürfen, was wir am besten können und lieben

- dass wir schnell Hilfe bekommen, da wir bei der Schließung nicht gefragt wurden

- dass Menschen, die an dieser "Fessel der Menschheit" erkrankt sind ,schnell genesen

- dass wir auch diese Krise schnell überwinden

- dass wir nach dieser Krise nicht wirtschaftlich total ramponiert sind

- dass das Wort "Corona" für mindestens 100 Jahre nicht mehr verwendet werden darf.


Und für alle  "Ja,aber's" mit erhobenem Finger

** Mir ist bekannt, dass es viele Branchen härter getroffen hat als uns Friseure


** Mir ist bekannt, dass deutsche Beihilfen für Unternehmen von der EU- Wettbewerbsaufsicht genehmigt werden müssen und deshalb sich verzögern


aber mir ist auch bekannt:

Klammheimlich hat Berlin die Vorgaben für die Überbrückungshilfen geändert.Das schließt viele Firmen von der Unterstützung aus. www.handelsblatt.com

** Mir ist bekannt, dass es Friseure gibt die sich wundern, dass nach so kurzer Zeit

so viele am Limit sind.....Rechenbeispiel:

Laden C-Lage 80m² in strukturschwacher Gegend : 400€

Laden A-Lage 80m² Stuttgart - Frankfurt - München : 100€-150€...........der m²

Äpfel sind halt keine Birnen.....


***Mir ist bekannt, dass der Lockdown eventuell ( sicher ) noch länger dauern

wird als bis zum 31.01.2021......

Dann Gnade uns......ihr wisst schon wer......


Ich grüße Euch

Tony Geronikolakis









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