• Tony Geronikolakis

Der Club der Enttäuschten




Zum gefühlt 100sten Mal nehme ich heute, den 09.02.21,ein Kundentelefonat entgegen

und vereinbare ein Termin ab dem 15.02.

In meinen Gedanken schwingt die Frage mit: hätte ich warten sollen und die morgige Pressekonferenz der Kanzlerin und ihrer Bundesminister abwarten?

Eigentlich sind die Prognosen ja ganz gut......durch den öffentlichen Druck aller Branchen

auf die Regierenden, sind die Hoffnungen in etwa so groß wie die Not derer die hoffen.

Hoffen auf was?

Ich habe keinen Brandbrief an irgend einen kommunalen Politiker oder gar Abgeordneten oder womöglich noch an den verehrten Wirtschaftsminister Altmaier geschrieben, um auf meine Situation als Friseur aufmerksam zu machen. Hätte ich sollen?

Dann wüsste er über die Sorgen des kleinen Mannes, wobei ich 1,88 m groß bin, schon früher Bescheid und müsste sich nicht von seiner Dienstherrin rüffeln lassen.

 „Eine Frechheit“: Altmaier wegen Chaos bei Corona-Hilfen heftig angegangen - auch von Merkel. Wirtschaftsverbände und die Opposition kritisieren die Corona*-Hilfsgelder als zu kompliziert und bürokratisch.   der Merkur 

Nach ca. 2 Monaten der Erwerbslosigkeit, spüren auch bestens aufgestellte

Unternehmen die Folgen.

Wir warten auf die versprochene Unterstützung, denn vielen steht das Wasser bis zum Hals“, so Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks.

Ist auch nicht so schwer es betriebswirtschaftlich zu rechnen.

Lernt doch jeder BWLer ab dem 4.Semester:

Wenn man in einen vollen Eimer mit Wasser ein Lockdown schlägt, dann ist spätestens

nach 6 Wochen nichts mehr drin und den Eimer kann man entsorgen.

Und genau so verhält sich das auch im wahren Leben. Finanzielle Reserven werden aufgebraucht und die Nerven mit dazu, aus Zuspruch für die Maßnahmen die ergriffen wurden um die "Pandemie dieses Jahr in den Griff zu bekommen" wird Missmut über

Versäumnisse im Bereich der Fürsorge des Staates gegenüber seinen Bürgern, Friseure gehören eindeutig dazu, da Friseure auch irgendwie Bürger sind.

Kommen doch einem Zweifel auf, wenn man auf die Verfahrensweise der Hilfestellung und die Ungleichbehandlung von Unternehmen und Branchen sieht.

Während Milliarden in Unternehmen, mit dementsprechender Lobby, mit der Bazooka geschossen werden(sind auch Arbeitsplätze) reicht es bei kleinen mittelständischen Unternehmen, Friseuren und Einzelhändlern nur zur Faschingspistole.

Corona-Hilfen unter Altmaier-Ministerium sollen Lockdown-Folgen abfedern
Seit Beginn der Krise wurden laut Wirtschaftsministerium mehr als 80 Milliarden Euro an Corona-Hilfen bewilligt, dazu komme das Kurzarbeitergeld mit rund 23 Milliarden Euro. Bei der November- und Dezemberhilfe wurden demnach rund 5,2 Milliarden Euro an Geldern ausgezahlt. Diese Hilfen richten sich vor allem an Firmen im Lockdown*, erstattet werden Umsatzausfälle.

Huh , haben die mir schon Gelder überwiesen?...vielleicht habe ich das gar nicht bemerkt?

Leben Politiker und Bundestagsabgeordnete auf dem gleichen Planeten wie

steuerzahlende Bürger?

Jeder Bundestagsabgeordneter erhält 9.542 Euro brutto im Monat. Dies müssen sie versteuern.
Dazu kommt eine Aufwandspauschale von 4.318 Euro pro Monat. Die ist steuerfrei und für die Aufwendungen im Rahmen des Bundestagsmandats gedacht.        aus Focus online

Um einen Bundesminister mithilfe eines Raumschiffes den Eintritt in die Umlaufbahn der Erde zu ermöglichen, somit unserem Planeten zugehörig, bedarf es großer Anstrengung.

Laut § 11 des Bundesministergesetzes erhielten Bundesminister Amtsbezüge „in Höhe von Eineindrittel des Grundgehalts der Besoldungsgruppe B 11, einschließlich zum Grundgehalt allgemein gewährter Zulagen“. Dies entspräche etwa 20.000 Euro brutto monatlich.

Genau dieser Minister, mittlerweile Erdenbürger, bekommt bei einer Talkshow Sondersendung: "Corona und die Folgen für Unternehmen", mit, dass auch andere

Spezies auf diesem Planeten beheimatet sind.

Die zugeschaltete Friseurin erklärt dem Minister, der obwohl erst kurz auf dieser Erde,

jetzt schon fast fliesend unsere Sprache spricht, wie andere Lebensformen ihr Leben bestreiten.

Das sind Menschen die für 1.840 € brutto oder weniger im Monat arbeiten gegangen sind.

Jetzt nicht mehr, da wir eine Pandemie bekämpfen.

(Da sollen wir wieder an einem Strang ziehen, denn wir sitzen alle im gleichen Boot)!!

Jetzt sitzen diese Menschen, genannt Friseure, seit dem 16.12.20 behördlich in Zwangsurlaub und warten auf die vollmundig ausgerufenen Staatshilfen.

Immerhin bekommen die Mitarbeiter ja KUG von 60% bzw. 68%.

Das sind stolze 1104€ brutto = ca. 880 € netto

Durch entgangenes Trinkgeld + Boni, was branchenspezifisch einen guten Teil des Gehaltes aufbessert, verschieben sich die realen Kürzungen im KUG einer Friseurin um etliche Prozentpunkte......leider nicht zum Besseren.

Für Unternehmer gibt es überhaupt kein Lohn....Wer Urlaub macht, muss selber dafür aufkommen....

Also, keine materielle Hilfe in Sicht aber.... (ab hier Passage aus meinem letzten Blog)

Dafür bekommen Friseure den Empathie-Oscar der Politik:

Alle Minister in Talkshows verstehen unsere Situation und nehmen sogar daran Anteil.

Im RTL-Interview zeigt sich Braun bestürzt von dem Hilferuf und verspricht Hilfe. "Das Video zeigt bestürzend und eindrucksvoll, wie schwierig die Lage gerade ist. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass die Hilfen schnell ausgezahlt werden", so der Kanzleramtschef.
Arbeitsminister Heil wirkt empathisch.....
Ihm gelang es....eine gewisse Empathie für die vielen Selbstständigen und anderen nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht Betroffenen des Lockdowns zu vermitteln, die derzeit um ihre Existenz bangen....
aus DHZ deutsche Handwerkszeitung

Die passende Antwort dazu hat Oscar Wild schon 1891 verfasst:

"Bei Wilde heißt Empathie noch Mitleid und Mitgefühl.
Die Gefühle des Menschen bäumen sich schneller auf als sein Verstand, und (...) Mitgefühl und Liebe zu Leidenden ist bequemer als Liebe zum Denken. Daher machen sie sich mit bewundernswertem, obschon falschgerichtetem Eifer sehr ernsthaft und sehr gefühlvoll an die Arbeit, die Übel, die sie sehen, zu kurieren. Aber ihre Mittel heilen diese Krankheit nicht:sie verlängern sie nur.
Ihre Heilmittel sind geradezu ein Stück der Krankheit."

Wie wahr...

Es ist daher auch kein Wunder, dass Schwarzarbeit mittlerweile fast schon salonfähig geworden ist. Sie ist in keinster Weise zu tolerieren oder zu dulden.

Schwarzarbeit schadet nicht nur volkswirtschaftlich,

sondern beschädigt auch unser Image und Prestige als Friseure ......Image? Prestige?

Das Berufsprestige nennt man das Sozialprestige, das ein bestimmter Beruf oder eine Berufsgruppe in einer Gesellschaft genießt.
Magnitude-Prestigeskala (MPS)Die Magnitude-Prestigeskala erfasst das Sozialprestige, das ein bestimmter Beruf oder eine Berufsgruppe in einer Gesellschaft genießt.

Um es abzukürzen.....Friseure belegen nicht die vorderen Plätze .....

Ein Schelm der das in Verbindung bringt mit der Verteilung von Hilfsgeldern.......

Die Friseure, die heute bei Kaffee und Kuchen oder in einem Hinterzimmer der Uschi

und dem Jürgen, die Dauerwelle stutzen...wollen morgen ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung (Uschi+Jürgen gehören auch dazu) und Vorbild für einen Auszubildenden sein?

Wohl kaum....wobei ein Auszubildender mittlerweile zu den bedrohten Arten gehört.....

Auch hier hat die Strategie des Bundes Früchte getragen, Betriebe die ausbilden zu bestrafen, indem man sie volle 6 Wochen den vollen Lohn des Auszubildenden

bezahlen lässt, weil kein KUG vorgesehen ist.

Auch hier sei den Herren verziehen, weilen sie doch erst kurz auf dieser Erde....

und sind wir mal ganz ehrlich....es gab sowieso zu viel Azubis in unserer Branche....

sollen sich andere damit rumplagen.

Diese und andere Themen werden letztendlich "Schnee von gestern sein", wenn wir tatsächlich ab dem 15.02. eröffnen dürfen, oder am 01.März, oder am......oder am....

Die Pro und die Contras ...ob es sinnvoll ist zu eröffnen ......ob wir mit Auflagen nahe der OP-Hygiene wirtschaftlich arbeiten können, (siehe Österreich)....ob wir unsere Kunden vor den bösen Schwarzarbeitern beschützen wollen....ob wir unser Konto vor der bösen Bank beschützen wollen und schleunigst zig Termine ausmachen um, im Jahr 2022 wieder alles auf Null zu bringen....oder....

wir machen der lieben Frau Merkel eine Freude und hören auf sie, ohne trotzig zu sein.....

Merkel gegen jegliche Lockerungen vor März..Merkel sagte, sie erwarte, dass die britische Variante des Virus in wenigen Wochen auch in Deutschland die dominante sein werde.  Focus

Ergo:

Wir lassen es uns nochmal 14 Tage gutgehen...bringen noch mal14 Tage Opfer...

tanken unsere Porsches mal nicht ganz voll... und warten bis die Überbrückungshilfe III

fertig programmiert und administriert wird. .....denn gut Ding will Weile haben!

 Peter Altmaiers  Vorwurf an die Länder in Sachen Corona-Hilfen . Sie hätten sich nicht in der Lage gesehen, die November- und Dezember-Hilfen zu administrieren, so der CDU-Wirtschaftsminister* am Sonntag im Live-Talk von Bild. Daher habe man eine Plattform „aus dem Boden stampfen“ müssen.    der Merkur

..bis der Name dann "verspätete Nachschlagzahlungen III" heißt

und ......brechen die eventuelle Infektionswelle des neuen Virus, um nicht nocheinmal

einen Lockdown zu riskieren....(nicht meinZitat)

An diesem Punkt bin ich sehr froh, keine Entscheidungen treffen zu müssen,

über das Wohl von 83 Millionen Menschen.....

Sterbende Menschen nach schwerem SARS-CoV2/COVID-19 Verlauf.....dem gegenüber stehen vernichtete Existenzen wegen unterlassener Hilfeleistung von Seiten der Politik.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass es mich richtig wütend macht, dass....

immer noch in breiten Teilen der Bevölkerung (Menschen die nicht selbstständig sind und

nicht vom Lockdown betroffen sind) der Irrglaube (medial gelenkt) herrscht.....


Die Bundesregierung den Selbstständigen tatsächlich hilft......Marketing ist alles!!

Wir als Unternehmer einen Lohn bekommen....LOL!!

Unseren Unternehmen schnell und unbürokratisch geholfen wird.....

(ab einer gewissen Größe trifft das sicher zu)

Schon einmal sorgte Olaf Scholz mit seinen Worten für Aufsehen: Als er von der „Bazooka“ sprach, die man auspacken werde, um die Wirtschaft vor den Folgen der Coronakrise zu schützen.

Für gewöhnlich beende ich meine Texte mit einem positiven Schlusssatz.

Im Anbetracht der Lage ....ob geöffnet wird oder nicht...ob 10qm genug sind oder nicht ...

ob FFP2 schützt oder nicht.... ob verspätet Gelder fliesen, die nicht reichen werden....

Mir ist heute nicht nach Positiv....willkommen im Club der Enttäuschten....


Ich grüße Euch

Tony Geronikolakis



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